Jüdisches Leben in Ellingen
Jüdisches Leben in Ellingen: Eine Geschichte zwischen Schutz und Verfolgung
Das jüdische Leben in Ellingen, der „Perle des fränkischen Barock“, blickt auf eine fast vierhundertjährige Geschichte zurück. Vermutlich ließen sich erste jüdische Familien nach ihrer Vertreibung aus Weißenburg um 1520 im Ort nieder. Ein erster urkundlicher Beleg für jüdische Ansässigkeit datiert aus dem Jahr 1542.
Unter dem Schutz des Deutschen Ordens
Über Jahrhunderte hinweg standen die jüdischen Familien als sogenannte „Schutzjuden“ unter der Jurisdiktion des Deutschen Ordens. Ellingen war bis 1814 Sitz eines bedeutenden Bezirksrabbinats, das für die Gemeinden in der fränkischen Ballei des Ordens zuständig war.
Das Verhältnis zur christlichen Bevölkerung und zur Obrigkeit war von Ambivalenzen geprägt: Während ein Mandat von 1540 den Juden das Leben durch Verbote und Einschränkungen erschweren wollte, erließ Landkomtur Johann Wilhelm von Zocha im Jahr 1685 eine „Policey-Ordnung“, die Juden den christlichen Mitbürgern rechtlich beinahe gleichstellte. Trotz hoher Abgabenlasten, wie dem „Hundshafergeld“ oder dem „Schutzerneuerungsgeld“, brachten es einige Familien, insbesondere zur Zeit des Barock, zu Wohlstand und waren eine tragende Säule des Wirtschaftslebens.
Bedeutende Stätten des Glaubens
Zwei Gebäude in Ellingen zeugen noch heute von der religiösen Strahlkraft der Gemeinde:
- Palais Landauer (Weißenburger Straße 17): Das heutige Hotel „Römischer Kaiser“ beherbergt im Obergeschoss einen prächtigen barocken Festsaal, der der Gemeinde jahrzehntelang als Betsaal diente. Einzigartig sind die Deckengemälde, die Szenen aus dem Alten Testament (Genesis) zeigen – ein herausragendes Zeugnis jüdischer Kultur in Bayern.
- Synagoge (Neue Gasse 14): Da der Betsaal im Palais Landauer zu klein wurde, errichtete der Hofbaumeister Matthias Binder 1756/57 ein eigenes Synagogengebäude. Es enthielt neben dem Gebetsraum eine Mikwe sowie eine Lehrerwohnung.
Da die Gemeinde keinen eigenen Friedhof besaß, wurden die Verstorbenen in Pappenheim, Georgensgmünd oder bevorzugt in Treuchtlingen bestattet.
Niedergang und das Ende der Gemeinde
Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 endete das weitgehend unkomplizierte Miteinander. Durch wirtschaftliche Repressionen und „Arisierungen“ wurden jüdische Geschäftsleute in die Emigration oder Flucht getrieben. Im Oktober 1938 wurde die Synagoge unter Zwang verkauft. Während der Novemberpogrome 1938 verwüsteten auswärtige SS-Truppen die Wohnungen der letzten verbliebenen Familien und demolierten das Inventar der Synagoge. Bis Ende 1938 gab es keine Juden mehr in Ellingen; 17 ehemalige Bürger fielen dem Holocaust zum Opfer.
Erinnerung und Gegenwart
Heute ist die jüdische Geschichte fest in das kulturelle Erbe der Stadt integriert:
- Die ehemalige Synagoge und das Palais Landauer sind Stationen des Barockrundweges Ellingen.
- Am ehemaligen Synagogengebäude erinnert eine Gedenktafel an die Geschichte des Hauses.
Im Jahr 2008 arbeitete der Freundeskreis die 400 jährige Geschichte in einer eindrucksvollen Ausstellung auf. Dies führte zur Vertiefung bereits bestehender Kontakte mit Nachfahren ehemaliger Mitbürger und Mitbürgerinnen.
Weitere Infos hierzu finden Sie im dazugehörigen Begleitbuch „Juden in Ellingen“ und in den Ellinger Heften.