Der heilige Severin in Ellingen

zum 50 Jahrestag der letzten Wiederkehr des Heiligen in die kath. Pfarrkirche St. Georg.

 

Textfeld:  Am 30. Oktober 1955 zog der Hl. Severin wieder einmal um. Zumindest die letzten 270 Jahre dieses Heiligen waren ungewöhnlich bewegt und es ist schwer, Legende und Wirklichkeit auseinander zu halten. Die kath. Kirche kennt offiziell 5 Hl. Severine, deren letzte Ruhestätten bekannt sind.

Unser Severin gehört nicht zu diesen. Er soll (Legende) aus den Katakomben von Rom zur Ehre seiner vielen Altäre gekommen sein. Fest steht, dass er im Jahr 1743 von einem Pfalz-Neuburgischen Hofrat Namens Johann Michael Buckl aus Heideck der Wallfahrtskirche Heiligenblut und dem zugehörigen Franziskanerkloster der Fuldaer Ordensprovinz geschenkt worden ist. Die Kanoniker der beiden Spalter Stifte beäugten ihn von vornherein misstrauisch, da er keine offiziellen Papiere besaß. Die Gläubigen allerdings verehrten ihn. Er war zunächst in das Stillakloster Marienburg in Abenberg gebracht worden, wo er auf damals übliche Weise in Brokat gekleidet und reich geschmückt worden ist. Seine Reise von Abenberg nach Heiligenblut gestaltete sich mühsam wie der Spalter Pfarrer Reinhard Pasel berichtet:

 

»Am 22. Juni 1743 wurde der Leib des heiligen Märtyrers Severin vom Kloster Marienburg nach Spalt übertragen und dort in der Pfarrkirche zur Verehrung ausgesetzt. Auf dem Weg von Marienburg nach Spalt, in der Nähe von Steinbach (Obersteinbach) haben die Lutherischen gegen die Durch­führung des Martyrerleibes durch ihr Gebiet Protest erho­ben«. Domdekan Ainmüller berichtet über diesen Vorfall: »Kräftiger (als das Stiftskapitel) protestierte der markgräf­liche Kastner von Roth, der sich mit einigen Musketieren bei Obersteinbach aufstellte und gegen den feierlichen Zug Protest einlegte. Dasselbe geschah durch den Gerichtsdie­ner von Gunzenhausen, der zu Pferde sitzend mit einiger Mannschaft insbesondere gegen die fliegenden Fahnen auf Ansbachischem territorio (Gebiet) protestierte«. Diesen Protest nahm der Kastner von Abenberg, »Theode­rich Locavesta, mit den wenigen Worten entgegen: Herr Stadtvogt von Roth hat nichts zu protestieren, es ist der ge­meine Kreuzweg von Spalt hieher, wir lassen deswegen die klingende Spiel- und Bürgerschaft zurück mit dem Gewöhr und gehen still mit abgelegten Fahnen, bis wir wieder auf unser Gerechtigkeit kommen; wenn sie einst einen heiligen Leib durch unser Land zu führen hätten, würde ich gewiß nicht protestieren, indeß seien sie eingeladen, mit uns nach Spalt. Und so nahm die Prozession ihren Weg durch Mas­sendorf nach Spalt. Hier empfing uns Urban Lehenbauer, Kanonikus und Stadtpfarrer in Spalt, in schönster Ordnung, mit Pauken und Trompeten und Posaunen, während ein Ge­nius vorausschritt (gemeint ist wohl ein Standartenträger), der folgende Inschrift trug: Lasset uns in Freude bei der Übertragung des heiligen Severinus den dreifaltigen Gott lobpreisen. Am darauffolgenden Tag ging die gleiche Pro­zession mit dem heiligen Leib zu uns nach Heiligenblut. Es war der 3. Sonntag nach Pfingsten, der 23. Juni 1743, als der Leib des heiligen Severinus mit einem Kreuzpartikel hierher gebracht wurde«

 

Textfeld:  Nach der Säkularisation und dem Abriss ihres Klosters trafen am 25. Mai 1809 die letzen beiden Franziskanermönche aus Heiligenblut im Franziskanerkloster Ellingen ein und brachten ihren Hl. Severin mit. Doch schon 1818 schloss auch Feldmarschall Fürst Wrede die Klosterkirche, veräußerte deren Ausstattung an andere Kirchengemeinden. Als deren letzt Franziskaner nach Berching abzogen, verblieb der Hl. Severin in Ellingen und wurde auf den rechten Seitenaltar der kath. Stadtpfarrkirche in Ellingen verbracht. Den damaligen Schrein, passend zum Seitenaltar schuf 1820 der Schreinermeister Johannes Biber von Ellingen.

 

Beim Bombenangriff auf Ellingen am 23. Februar 1945 wurde genau der Seitenaltar des Heiligen Severin durch 2 Bombentreffer massiv beschädigt. Über 10 Jahre hinweg dauerte die Wiederherstellung der Kirche. In dieser Zeit wurden die Pfarrgottesdienste in der Schlosskirche gehalten. Nachdem auch Pfarrhaus und Kaplanhaus völlig zerstört waren, musste auch die Geistlichkeit Notquartiere beziehen. Der Pfarrer Schuster erhielt trotz seines heftigen Widerstandes die Wohnung des Lehrers und ehemaligen NSDAP-Ortsgruppenleiters Engelhardt im Obergeschoss der einstigen Lateinschule (heute Praxis Dres. Wirsching) zugewiesen. Auch der Hl. Severin wurde ihm in die Wohnung gestellt. Schließlich wurde der schwer beschädigte St. Severin auf Veranlassung des 1947 gekommenen Stadtpfarrers Florian Sangl zu den Nonnen in der Taubstummenanstalt Zell bei Heideck transportiert, die ihn neu fassten. Der Kontakt nach Spalt und Zell kam vom 1945 gekommenen neuen Kaplan Gregor Schneid. Nach dieser Neufassung ruht St. Severin auf einem roten Samtkissen, sein Haupt schmückt ein goldgeschmückter Stechpalmenkranz, die Brust ist in ein Goldbrokatwams gehüllt und der übrige Körper in ein hellgraues Gewebe. An den Händen trägt er Pontifikalhandschuhe, an den Füßen handgenähte hellgraue Schuhe, reich mit Gold bestickt. Die Reliquie ist mit Juwelen geschmückt; die Brust ziert ein Rubinkreuz, von goldenen Strahlen umgeben. Nach alten Motiven wurde der an der Rückwand mit Goldbrokat ausgeschlagene Schrein von Malermeister Seefried aus Spalt wiederhergestellt.

Am Christkönigsfest, 30.10.1955 damals noch dem letzten Sonntag im Oktober, sollte St. Severin an der Maxkirche empfangen und in einer Prozession in die Pfarrkirche zurückgeführt werden.

Um 14.00 Uhr riefen die Glocken zur Reliquienprozession, die wegen einer Straßensperrung nicht von der Maxkirche sondern vom ehemaligen Fanziskanerkloster ausging.  Damals war bereits Josef Dürer Stadtkaplan. Gregor Schneid erschien als Gast. Und so folgte die Prozession dem gleichen Weg wie bei der ersten Überführung 1818. In der anschließenden Segensandacht wurde in Lied und Gebet des Christkönigstages und der Himmelskönigin gedacht. Die Feier klang aus mit einem mächtigen „Te Deum“.

 

Hermann Seis

 

Textfeld:  Textfeld:  Textfeld:  Zusammengestellt nach Zeitungsauschnitten des Weißenburger Tagblatts 1955 und Prozessionsbilder Bildern aus dem Besitz von Manfred Specht sowie: Reinhard Pasel, Heiligenblut, Spalt 1990