Das
Schlosstor
mit seinen Panduren

Bis
1730 wurde auch das jetzige Barockschloss noch von einem schweren Burgtor auch
gegen die Stadt abgesichert, wie eine Karte um 1726 zeigt.

Das
von Landkomtur Hornstein erbaute barocke Tor mit Gittertoren, Wachhäuschen und
Statuen wurde beim Fliegerangriff vom 23. Februar 1945 stark beschädigt.
Der Wiederaufbau wurde dazu benutzt, unter Wahrung stilistischer Merkmale die Durchfahrt dem Massenverkehr der Bundesstraße 13 anzupassen, der Jahrzehntelang durch Ellingen und den Schlossbereich floss. Die Brücke wurde gedreht, verbreitert und die Gatter entfernt.
Zwei
der Torsäulen tragen ungarische Panduren als steinerne Wächter. Hintergrund
sollen Ereignisse aus dem Spanischen Erbfolgekrieg in Ellingen 25 Jahre vorher
sein:
1703 hatte sich ein Weltkrieg
über bereits zwei Jahre hinweg etabliert. Frankreich stand mit Bayern gegen den Rest
der Welt, also die Habsburger Kaiser mit Reich und Österreich, dazu England.
Der Kampf ging um die spanische Krone.
Ab
1703 begannen die Bayern die Donaulinie zu erobern. Der Fränkische Kreis, zu
dem Ellingen genauso wie Weißenburg gehörte, hatte seine Truppen in der
Oberpfalz zur Eroberung Ambergs konzentriert. Zugleich erschien von Donauwörth
aus der französische Kommandant Latour mit 600 Mann in unserer Gegend und
überrumpelte Pappenheim, sozusagen als Dolch im weichen Unterleib der Franken.
Weil der Kurfürst Max II.
Emanuel, der Türkenfresser, beschlossen
hatte, den Winter im Warmen, d.h. der damals kaiserlichen Stadt Passau zu
verbringen, veranlaßte er seine Franzosen - jetzt unter dem Marschall Marsin
-, ihm den Rücken freizuhalten, indem
dieser die fränkischen Kreisregimenter, Nürnberg und den "alten Dessauer" (Fürst Leopold von
Anhalt-Dessau), über Ellingen angreifen sollte.
„Am 8.
Januar 1704 - nach schweren Schneefällen war es grimmig kalt geworden - stellte
sich dem Vorposten der fränkischen Truppen, die bei Dietfurt den Altmühlübergang
deckten, ein französischer Deserteur. Er berichtete, die französische Armee sei
im Anmarsch. Die Vorhut stehe nur noch wenige Meilen entfernt.“
„Die Franzosen stießen weiter Richtung Nürnberg vor und nahmen Ellingen
und Pleinfeld kampflos,“ heißt es und weiter: Weil Kurfürst Max Emanuel am
9. Januar Passau genommen hatte, zog sich Marsin am 12. Januar gänzlich
überraschend wieder nach Süden zurück. „Kennzeichnend
für seine selbstgestellte Aufgabe war, daß er keinen Versuch gemacht hatte,
Weißenburg einzunehmen. Er hatte ungeheuere Summen an Kontributionsgeldern
erpreßt und schleppte Pfleger und andere Beamte der Fürstentümer Eichstätt,
Ansbach und des Deutschen Ordens als Geiseln nach Augsburg. Ansbach allein
sollte 250.000 fl. entrichten, eine ungeheuere Summe, deren Höhe man erst
ermessen kann, wenn man weiß, daß der Jahresverdienst eines Lohnarbeiters 100
fl betrug.“
Der Ellinger Chronist Wehn
schreibt, die Franzosen hätten sich in Ellingen damit beschäftigt, wenn auch
mit französischer Artigkeit, Küchen und Keller zu leeren.
Dem Orden kam die Situation
um Ellingen herum wirtschaftlich eigentlich sehr gelegen. All die Soldaten
zwischen Donauwörth und Amberg brauchten zu essen und die Getreidespeicher des
Ordens waren voll. Und mit dem Geld, das die Franzosen den Ansbachern
abpreßten, konnten diese fast nichts anderes machen, als dem Orden sein
Getreide abzukaufen. Dessen Verkaufsplätze lagen noch dazu beiderseits der
Front: Ellingen lag im Gebiet der fränkischen Truppen, seine Güter in
Reimlingen südlich Nördlingen im französisch besetzten Gebiet.
Der Rückzug der Franzosen
ging nur bis zur Altmühl, um von dort die militärisch und wirtschaftlich
wichtige Donautrasse zu schützen. Die Franzosen befestigten Pappenheim,
Treuchtlingen und Mörnsheim so stark, daß die fränkische Kreisgeneralität zu der
Ansicht kam, auch bei einer „förmlichen Attaque“ mit schwerer Artillerie würde
man erhebliche Zeit benötigen, die Orte zurückzuerobern. Man beschloß daher
Anfang März, quer über die Wasserscheide zwischen Rezat und Altmühl und gut
gedeckt durch den Karlsgraben eine Befestigungslinie zu errichten.
Mitte März 1704 plünderten
aber dann die Franzosen die Elllinger Vorstadt Holledau und zündeten sie
an. Auch das Henkershaus ging in Flammen auf. Der damals die Plünderer
kommandierende Hauptmann Le Pont wurde mit seiner Abteilung von den
Kaiserlichen Husaren und Panduren bei Pleinfeld gestellt und trotz lockender
Angebote seitens des französischen Kommandos, das in Pappenheim saß, zum Tode
verurteilt.
Der Ellinger Henker Jakob
Vollmayr konnte den Raubbrenner seines eigenen Hauses eigenhändig am Galgen auf
dem Georgs-Espan bei der Lindenmühle aufknüpfen und dann unter dem Galgen
verscharren. „Welch ein unrühmliches Ende!“ vermerkt der alte Chronist Rudolf
Schub in seiner Liste der Ellinger Henker.
Erst der Sieg der Engländer
(Herzog Marlborough) und der Kaiserlichen unter Prinz Eugen bei Donauwörth und
in Höchstädt über die Franzosen und die Bayern unter Marschall Tallart machte
dem Franzosenspuk in unserer Gegend ein Ende (Für die Engländer ist das die
Schlacht von Blenheim), auch wenn der Krieg weiterging und der Landkomtur sich
daran eine solch goldene Nase verdiente, daß er unbedingt das Ellinger Schloß
bauen mußte, damit er wußte, wohin sein Geld kam. Die Panduren und Husaren am Ellinger
Schloß sind vielleicht eine kleine Hommage an die Kaiserlichen, die die
Ellinger und ihre Ritter vor weiteren Franzosenübergriffen schützten.
Der Deutschmeister
präsentierte den bayerischen Verlierern noch eine Kriegskostenrechnung des
Kriegsaufwandes und der Schäden über 10.555.631 Gulden. Das war geradezu
unverschämt angesichts der guten
Geschäfte, die man gerade gemacht hatte: Doch Geschäft ist Geschäft und Politik
und auch ein gewonnener Krieg mußte profitabel sein. Der hier kommandierende Generalwachtmeister
des Fränkischen Kreises und Deutschordensritter Friedrich Mohr vom Wald starb
noch im Jahr 1704 bei der ersten großen Schlacht dieses Krieges, als Engländer
und Reichstruppen den Schellenberg bei Donauwörth stürmten, wo sich der
Kurfürst von Bayern zusammen mit den Franzosen verschanzt hatten.