LANDKOMTUR

                                 (Johannes) FRANZ SIEGMUND GRAF VON SAZENHOFEN

 

 

 

 

 

Das Porträt ist nach einer Expertise von Prof. Dr. Helmut Börsch-Supan, Berlin Öl auf Leinwand, 240x140 cm auf Presspappe aufgezogen. Beim rechts unten auf dem Adressfeld signierenden Maler Brünnich könne es sich nur um Andreas Petersen Brünnich  (oder Brünniche) handeln. Von ihm sei wenig bekannt. Er wurde am 4.4.1704 in Roskilde (Dänemark) geboren. Sein Lehrer war der aus Chemnitz stammende Johann Salomon Wahl, der seit 1730 als Hofmaler in Kopenhagen wirkte. Ein ebenfalls 1742 von Brünnich gemaltes Porträt der Gräfin Danneskiold-Samsoe zeige den gleichen Stil. Eine strenge Geometrie in der wenig stofflich aufgefassten Kleidung und penible Genauigkeit in der Wiedergabe von Schmuckdetails verbänden sich.

 

Öl auf Leinwand 240x149 cm, derzeit auf Presspappe aufgezogen

 

Franz Siegmund Graf von Sazenhofen war zusammen mit dem sehr viel bekannteren Landkomtur Karl-Heinrich Freiherrn von Hornstein der Schöpfer des barocken Ellingen. Sein Wirken wird nicht so wahrgenommen, wie er es verdient, weil ihm nur die drei Jahre seines Lebens zugeordnet werden, die er selbst als vollwertiger Landkomtur wirkte, nicht aber die 12 Jahre, in denen er als Coadjutor, das heißt Stellvertreter mit Nachfolgeanspruch im Amt, bereits von Hornstein in dessen Aufgaben und gestalterischem Schaffen zunehmend ersetzte, weil v. Hornstein schwerhörig wurde und immer mehr erblindete.

Der Wappenkalender der Ballei Franken präsentiert ihn aber zentral gleich unter dem Wappen v. Hornsteins.

Nach kurzer Amtszeit als Treßler in Ellingen (1718) wurde er Hauskom­tur von Freudenthal (seit 1719), dort dann

1727 Vize­statthalter und 1731 Statthalter.

1743 übernahm er faktisch die Leitung der Ballei Franken.

Satzenhofen ist eine der für die schlesischen Ordensherrschaften bedeuten­den Persönlichkeiten. Ihm oblag stellvertre­tend für den Hochmeister auch die Fürsorge für die inkorporierten Pfarreien. Vor Ernennung zum Landkomtur war von Satzenhofen auch noch Komtur von Mainz.

 

Text seines Aufschwörschildes:

„Anno 1717 ist den 23. May Jst der Hoch wohlgebohrne Herr Graf Frantz Sigmund Frieterich von Satznthoffin uf Bertolzhoffen undt Pettendorf in den Hochen Teutschen Ritter orden auff genomen undt ein gekleidet worden.“

 

 

Nachgewiesen ist seine Mitwirkung an der Gründung des Ellinger Franziskanerklosters und am Bau der Orangerien zwischen 1735 und 1745, also zu Lebzeiten v. Hornsteins.

Ziemlich am Anfang seiner Amtszeit  als Landkomtur und doch schon am Zenit seiner Laufbahn stand wohl sein größter öffentlicher Auftritt, dessen Kosten er wahrscheinlich aber selbst bestritt.

Nach der Wahl Franz Stephans von Lothringen-Toskana zum Römisch-Deutschen Kaiser nahm der fränkische Deutschordens-Landkomtur Franz Sigismund von Satzenhofen auf Bertolzhofen und Bettendorf (1744-1748) stellvertretend die Huldigung der freien Reichsstadt Nürnberg entgegen.

Er hätte nach der Bedeutung des Ereignisses eigentlich Gast der Stadt Nürnberg sein müssen und ist doch deren Gastgeber gewesen.

Ausschließlich in seine Regierungszeit fällt der Bau des Ellinger Rathauses und

der Umbau der

 Schlosskirche, in deren Gruft er einst ruhte.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Eintrag im Pfarrmatrikel der Pfarrkirche St. Georg in Ellingen lautet:

 

1748 Martius

"28 obiit Illustrissimus ec Excellentissimus dominus dominus Fridericus Sigismundus Comes a Sazenhoffen etc. archicommendator etc. in curru ad portam Pleinfeldensem apoplexia tactus et sepultus fuit in ecclesia aulica, aetatis 64"

(DAEI Pfarrmatr. Ellingen 2, 826).

(Diözesanarchiv Eichstätt)

(Am 28. März 1748 ging der erlauchteste  und auch vortrefflichste Herr, Herr Friedrich Sigismund Graf von Sazenhofen etc. Landkomtur etc im Wagen am Pleinfelder Tor vom Schlag berührt und wurde begraben in der Schlosskirche (aulicus=zum Fürstenhof gehörig) im Alter von 64 Jahren)

 

Der Ellinger Chronist Josef Wehn beschreibt 1872 den Verbleib des Leichnams, der in der von Sazenhofen selbst errichteten Gruft der Schlosskirche zunächst seine Ruhe fand, ungewohnt spekulativ und vornehm wie folgt:

 

Ein großer Stein vor dem Hochaltare bedeckt die Stufen zur Gruft, wo die Gebeine der Landcomthure von Satzenhofen, von Lehrbach und des Ratsgebietigers Freiherrn von Reichin-Meldegg geruht hatten.

 

Als die Gruft zum fürstlich von Wrede'schen Familien-Begräbnisse umgewandelt ward, wurden die Ritter, wie man sagt, in ein tieferes Grab versenkt. Es ruhen darin nunmehr die verstorbenen Glieder der Fürstlichen Familie.