Unser Plateosaurus - Ellinger Heft Nr.11/1999

Im Sommer 1962 bauten in Ellingen viele Leute ihre neuen Häuser im ersten großen Baugebiet. Willi Pöschl, ein Mitbürger, der sehr an Geschichte und Historie interessiert ist, fand im August im Bauaushub seines Nachbarn Mühling seltsame Steinstücke, für die sich in Ellingen damals schwerlich ein anderer interessiert hätte. Auch den Kreisheimatpfleger mußte er erst mehrfach angehen, bevor dieser die Bedeutung des Fundes erkannte:
2 Monate lang gruben Paläontologen dann 40% des Skelettes eines Plateosaurus aus. Für die Ausstellung "Dinos in München" wurde seinerzeit ein Abguß dieses Skeletts hergestellt und aus Skeletten aus Württemberg nachmodelliert und ergänzt und das so vervollständigte Skelett in Polyester abgegossen. Dieser Abguß des 7 m langen Skeletts wurde montiert und im Lichthof des Paläontologischen Museums der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und historische Geologie in München nahe dem Königsplatz aufgestellt. Zu besichtigen ist dieser größte bayerische Dinosaurier dort im Museum. Der Eintritt ist frei.

Der Saurier wird im Museeum wie folgt beschrieben:

"Plateosaurus engelhardti H. v. M

Skelett, Abguß, ergänzt

obere Trias, Feuerletten ( 210 Millionen Jahre)

Ellingen, Mittelfranken

Die Plateosaurier der Triaszeit waren die ersten großen Dinosaurier. Diese vierfüßigen Pflanzenfresser erreichten eine Länge bis zu 8 Metern. Das hier aufgestellte Skelett wurde 1962 gefunden. Es ist der größte bisher in Bayern gefundene Dinosaurier. Die Dinosaurier erschienen erstmals in der mittleren Triaszeit. Sie erlebten in der folgenden Jurazeit u. Kreidezeit eine 130 Mio. Jahre währende Blüteperiode. Einige erreichten Riesengröße bis 25 Meter Länge, 12 Meter Höhe u. 25 t Gewicht. Sie waren Pflanzenfresser und die größten Landtiere aller Zeiten.

Der kleinste Dinosaurier, ein zweibeiniger Renner, war nur hühnergroß:

Compsognathus aus dem Jura Bayerns.

Manche Dinosaurier waren schwer gepanzert, wie die Stegosaurier und die Ankylosaurier. Zum Teil trugen sie Hörner u. knöcherne Halskrausen wie die Horndinosaurier (Ceratopsier). Räuberisch lebten die Theropoden, z. B. Tyrannosaurus. Trotz vieler Erklärungsversuche sind die Ursachen für das Aussterben der Dinosaurier am Ende der Kreidezeit vor 65 Millionen Jahren im Grunde ungeklärt.

Die Entwicklung der Dinosaurier vollzog sich in zwei getrennten Linien. Die beiden Gruppen unterscheiden sich vor allem in der Anordnung der Beckenknochen:

Saurischier (= Echsenbecken - Dinosaurier) und

Ornithischier (= Vogelbecken - Dinosaurier).

Ihre Vorfahren waren verschiedene Thecodontier, aktive Landreptilien der Trias. Die Dinosaurier sind deshalb keine stammesgeschichtliche Einheit.

Compsognathus longipes aus den Solnhofener Schichten (Oberjura) Bayerns ist der kleinste bekannte Dinosaurier. Er war ein flinker Räuber. In seiner Bauchhöhle findet sich das Skelett einer kleinen Eidechse, seine letzte Mahlzeit. Das Fossil wurde 1861 von dem Münchner Professor Andreas Wagner beschrieben und war der erste Fund eines vollständigen Dinosaurierskeletts.

Plateosaurus (=Flachechse) war einer der ersten Groß-Dinosaurier mit einer Körperlänge bis zu 8 Metern. Zahlreiche Fossilfunde in Frankreich, der Schweiz, Württemberg, Sachsen-Anhalt u. Franken belegen, daß er während der jüngeren Triaszeit in ganz Mitteleuropa verbreitet war. Plateosaurus gehört zur Gruppe der Prosauropoden, großen Pflanzenfressern, die schon im unteren Jura wieder ausstarben.

Triceratops muß selbst für einen Tyrannosaurus ein gefährlicher Gegner gewesen sein. Große Herden dieser plumpen Pflanzenfresser durchstreiften vor 70-65 Millionen Jahren weite Gebiete im Westen Nordamerikas. Der ausgestellte Schädel ist ein Original.

Heute kennt man zahlreiche Dinosaurier-Fundstellen in Europa, Asien, Afrika, Amerika und Australien. Einer der berühmtesten liegt in Utah (USA).

Hier im "Dinosaur National Monument" bei Vernal werden noch heute gro;ße Flächen von Oberjura- Gestein freigelegt und die einst hier zusammengeschwemmten Dinosaurier-Skelette herauspräpariert. Besucher können den Präparatoren bei ihrer Arbeit zusehen."

Web-Design u. Text:Hermann Seis, 14.7.1997,