
Mit
Jakob Vollmayr aus Lauingen begann 1665 in Ellingen eine neue Henkerdynastie,
die gleichzeitig das Amt des Wasenmeisters mit zu übernehmen hatte. Von 1704
-1731 ist Caspar Vollmayr nachgewiesen, der 1731 wieder in Weißenburg beim
Köpfen eines Delinquenten fünfmal schlagen, und schließlich auf dem Boden den
Kopf mit seinem Messer förmlich abschneiden mußte. Um seinen Lohn dafür und
eine zweite Hinrichtung von 140 Gulden mußte er jahrelang gerichtlich streiten.
Das Opfer war, wie sich aus der noch vorhandenen Rechnung des Henkers ergibt,
vorher so gefoltert worden, daß der Henker berechnete: 36 mal in das Gefängnis
gegangen zur Wundbehandlung mit Pflastern und Salben = 50 fl, mehr als ein
Drittel seiner Rechnung. Er starb am 15.Januar
1735 im Alter von 50 Jahren.
Seine
Witwe, Maria Barbara, gestorben am 17.Oktober 1743, empfing den durch das
Ableben ihres Mannes erledigten Nachrichterdienst und überließ diesen dem Sohn
des Henkers der Augustiner - Chorherren aus dem Stift Wettenhausen, Josef Anton
Kuisel, „der dann auch in der blutbannberechtigten Stadt Weißenburg
nachbarliche Dienste leistete“. Seine Familie ist bereits im Jahre 1670 als
Scharfrichter nachzuweisen, der damals 1670 tätige Andreas Guisel kam aus
Gundolfingen, wo er "an dem
Delinquenten Anton Schindler 33 J. alt, von Buchloe, sein Meisterstück gemacht
hat". 10 fl. brachte ihm dies damals ein.
Unser
Josef Anton Kuisel war anscheinend bis zum Tod der beliehenen Henkerin als
deren Knecht in deren Haus und konnte daher erst nach Ableben seiner Herrin
heiraten.
Der
Hochzeitsregistereintrag des Kuisel liest sich aufschlußreich:
„Josef
Anton Kuisel, Carnifex, 1744, 28. Juli Maria Josefa Kober, aus München, coram
R. D Johann Casparo Kuisel, parocho in Wartenweiler et testibus Josepho
Klingensteiner und Joh. Petro Scheberlein carnificibus.“
Die Henkerdynastie konnte also einen Pfarrer aus der
eigenen Familie zu kirchlichen Trauung präsentieren. Zwei weitere Henker waren
Trauzeugen.

In der
Ellinger Schlosskirche hatte der Henker auf der Empore seinen eigenen Stuhl –
in gleicher Augenhöhe wie der Landkomtur vorn in der Loge beim Altar. „Memento
Mori!“ Leben und Tod gehören im Barock zusammen.
Der
Kuisel hatte das Amt 42 Jahre inne, bis er das Amt wegen seiner nachlassenden
Kräfte mit Zustimmung des Landkomturs von Lehrbach an seinen Neffen Lorenz
Kuisel übergab. Die Ellinger waren gnädig zur Kuiselin. Während andere
Scharfrichterleut niemals in geweihter Erde ruhen durften, haben die Ellinger
deren Frauen auch nicht die letzten Tröstungen in der Kirche versagt. Im alten
Kirchenbuch steht über die Schwiegermutter im Sterbematrikel geschrieben „+
1743 + October 17. mit allen
Sakramenten wohl versehen starb Anna Barbara Guislin, Scharfrichterin, im Alter von 58 Jahren“. [Sterbematrikel Ellingen 17. Oktober 1743:
Guislin „Omnibus Sacramentis rite provisa obiit Anna Barbara Guislin
Scharfrichterin Ätatis 58“
Der oben
abgebildete schöne Grabstein der Maria Franziska Kuiselin, der nächsten
Henkerin, der Frau des Lorenz Kuisel, steht im neuen Friedhof gleich links
hinter der schmalen Tür. Mit einiger Mühe kann man noch ein wenig entziffern.
Der Eintrag in die Sterbematrikel Ellingen lautet: 29. April 1792, 3 Uhr nachts:
Kuiselin Maria Francisca nat. Vollmayerin, Ellwangensis 1753, 18. Oktober,
Laurentii Kuisel Gundelfingensis lictoris huiatis uxor, 38 Jahre, 6 Monate, 11
Tage) Auf ihrem Grabstein steht: „Friede sei dem sterblichen Leib von
Schmerzenstagen sehr gestraft die hochgeschätzte Frau Maria Franziska Kuisel
dahier Scharfrichterin geb. 6.März 1705 gestorben den 29.April 1792". Die
Grabtafel zeigt eine Frauengestalt im
mittelalterlichen Habit, die eine Hand
ruht auf dem Herzen, die andere trägt einen Totenkopf. Eine Urne und ein
trauernder Engel flankieren die Inschrift am oberen Rand, am unteren ist sie
von einer Girlande und Ornamenten geschmückt, und als Abschluß findet man die
Totensymbole Sichel und abgebrochene Kerze und, als Hinweis auf ihren Stand,
das Schwert. Die Hand am Herzen ist nicht die Hand der mater dolorosa - sie
weist wohl auf den Ort der Schmerzen, die nach dem Stein die Kuisel sehr
gestraft: Krebs oder Tuberkulose- wer weiß?

Einige
Betrachter meinen, die Bezeichnung "Scharfrichterin" sei nur die
Berufsangabe des in der Bildsprache der
Vergangenheit anderes. Auch der Vergleich mit anderen Frauengrabsteinen in der
Ellinger Kirche zeigt, dass sie um diese Zeit bereits als Gattin oder Eheweib
bezeichnet worden wäre. Vom Ehemann und eigentlichen Henker Anton Kuisel selbst
hat sich kein Stein erhalten. Die Ellinger hatten wohl eine besondere Beziehung
zu ihr. Der Lorenz Kuisel war Scharfrichter, bis Ellingen 1806 an Bayern ging.
Er starb am 15. August 1838.
Das Bild links ist eines der
beiden Bilder, die Lorenz Kuisel von sich malen lies. Die Dosenaufschrift lässt
sich nur erraten. Die Bezeichnung deutet auf eine Tätigkeit als Feldscher oder
Tierarzt hin.
Die Fotos unten stellen
eines der beiden Ellinger Richtschwerter dar. Das Georgsbild auf dem Schwert
spricht für das frühere Eigentum des Deutschen Ordens. Das andere Schwert
befindet sich im Besitz der Stadt Weißenburg. Die Inschriften auf den Schwertseiten
lauten:
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et verbum caro factum est die hern strafen daß unheill und ich ey litier ihr urtheil wan ich daß schwerdt thue aufheben winsch ich den sinder daß ewig leben IMRI auf Georgiuß et verum caro(?) factum est wan einer findt sich der ander verliert so stirbt er ehe er kranch wierdt Fiat iustitia aut erat mundus 1541 |
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