Ein Englisch - Bayerischer
Malteserkomtur
der
Bayerischen Zunge des Souveränen Malteser Ritterordens 1782-1808
eine Episode bayerischer Machtpolitik zur Zeit der Französischen Revolution, die zum Verlust der Landverbindung zwischen Bayern und der Pfalz beitrug.
Das Bildnis des Malteser-Komturs zur Rechten hängt
ausgerechnet im Saal des
Schlossbräustübls gegenüber dem Deutschordensschloss.
Nur wenn man es weiß, erkennt man, dass sich
zwischen den weißen Kreuzbalken nicht die übliche französische Lilie, sondern
vier bayerische Löwen befinden.
Es handelt sich also um ein bis vor kurzem
unbekanntes eigenständiges Komturs- Kreuz des Großpriorats der
englisch-bayerischen Zunge des Ordens.
Ich will hier nicht die Geschichte des
Malteserordens erzählen, sondern einen Aspekt Wittelsbacher Machtpolitik
ausleuchten. Schon der Blaue „Kurfürst“ Maximilian II. Emanuel (1662-1726),
dessen Traum auf Erhöhung des Hauses Wittelsbach durch Erwerb der bereits
vertraglich zwischen den Habsburgern und den Bourbonnen versprochenen
Spanischen Königskrone durch den Tod seines kleinen Sohnes platzte, strebte eine wittelsbachische, katholische
Hauskirche an. Sein Versuch, innerhalb der deutschen Zunge de Malteserordens
ein bayerischer Priorat zu errichten, scheiterte am Wiederstand
innerbayerischer Prälaten, die Einnahmeverluste für sich selbst fürchteten.
Auch Kurfürst Max III Joseph (1727-1777) scheiterte
mit einem solchen Versuch, schaffte aber durch die Beschlagnahme des Vermögens
der vom Papst selbst aufgelösten Jesuitenordens die wirtschaftlichen
Voraussetzungen für einen Erfolg seines Nachfolgers.
Mit Kurfürsten Karl – Theodor kam 1777 die
pfälzische Linie des Hauses Wittelsbach in Bayern an die Macht. Mit
Unterstützung des Malteser- Baillis Frau Baptist Anton Freiherrn von
Flachslanden gelang der größere Wurf als der ursprünglich verfolgte Plan.
Bayern erhielt nicht ein Priorat, sondern ein Großpriorat durch Übernahme der
seit der Anglikanisierung englischen Kirche praktisch ausgestorbenen Englischen
Zunge. Diese nun englisch-bayerische Zunge wurde mit Zustimmung König Georg III
zwischen Dezember 1781 und April 1782 errichtet.
Die französische Revolution und die dritte polnische
Teilung (Österreich, Preußen und Russland) 1793 änderten auch die Lage des
Malteserordens. Der Zar war nun Protektor der des Priorats Polen geworden und
errichtete ein orthodoxes polnisch – russisches Priorat, das er 1797 durch
Ordensbeschlüsse, noch vor Eroberung Maltas durch Napoleon im Juni 1798, mit
dem Großpriorat der englisch- bayerischen Zunge zu einem Großpriorat der
englisch-bayerisch-russischen Zungen verband- sehr zum Unwillen Karl – Theodors.
Später im Frieden von Amiens handelten Franzosen und Engländer aus, dass kein
Angehöriger der beiden Nationen Mitglied in einem kirchlichen Ritterorden sein
durfte. Aus dem Großpriorat der englisch- bayerisch-russischen Zunge wurde dann
1802 das Großpriorat der bayerisch-russischen Zunge. Ende 1898 wurde Zar Paul
I. als Großmeister des Ordens inthronisiert und erhob damit weltpolitisch den
Anspruch Moskaus auf Malta. Ein russischer Wunsch auf freien Zugang zum
Weltmeer, schon von Peter dem Großen erhoben, schien realisiert werden zu
können. Er erklärt das große militärische russische Engagement gegen Napoleon
und auf dem Wiener Kongress bei der Neuordnung Westeuropas. Paul I führte 17´98
außenpolitisch Russland in den Zweiten Koalitionskrieg mit Frankreich, trennte
sich aber bald trotz des russischen Erfolges bei Soworow von Österreich und
England, weil die Briten seine Ansprüche auf Malta nicht akzeptierten.
Der aufgeklärte und franzosenfreundliche Nachfolger
Karl-Theodors, Kurfürst Maximilian IV. Joseph (König Max I.) hob noch am Todestag seines Vorgängers, am 16. Februar 1799, den
beim Volk ohnehin verhassten Orden mittels von langer Hand vorbereiteter
Maßnahmen mit sofortiger Wirkung in Bayern auf und zog dessen Besitztümer zu
Gunsten der kurfürstlichen Hofkammer ein.
Dies forderte eine sofortige Reaktion des russischen
Zaren heraus, der sich brüskiert fühlte und seine großen strategischen
Interessen bedroht. Der bayerische Botschafter hatte das russische Reich sofort
zu verlassen und wurde in beschämender Weise auf einem Leiterwagen der Polizei
direkt an die Grenze gebracht. Die sich auf dem Weg nach Frankreich befindliche
russische Armee erhielt den Befehl, sofort in das Kurfürstentum Bayern
einzumarschieren.
Maximilian IV. Joseph sah sich gezwungen, alle
Maßnahmen zurückzunehmen, den Orden neu zu stiften, den Zaren als Großmeister
anzuerkennen und die Einbindung in die englisch-bayerisch-russische Zunge auch
offiziell zu akzeptiern. Der erfolgreich vermittelnde Flachslanden wurde zum
russischen General der Kavallerie (mit entsprechenden Bezügen) ernannt.
Zar Paul I. wurde 1801 ermordet, sein Sohn Alexander
I. gab das Amt des Großmeister aus der Hand. Der 1803 ernannte letzte
Großmeister, Frau Gian Battista Tommasi starb 1805. Der inzwischen offiziell
mit Frankreich verbündete König Max I hob 1808 den Orden in Bayern endgültig
auf, die Ordensmitglieder wurden bayerische Staatspensionäre ohne macht und
Einfluss.
Geblieben war allein das schlechte Verhältnis
zwischen den Zaren und den Wittelsbachern.
(dieser Abschnitt ist weitgehend zusammengestellt aus: Michael Autengruber, Klaus H. Feder, Bayern und Malta, Brannenburg 2002)
Im Frieden von Luneville und beim Reichsdeputationshauptschluss hatte
sich Bayern notgedrungen mit dem Verlust der Linksrheinischen Pfalz und der alten wittelsbachischen
Stammlande um Heidelberg und Mannheim abfinden müssen. Nach dem Abschluß des
Rieder Vertrages hatte aber Österreich in dem Ausführungsabkommen vom 3. Juni
1814 Bayern Unterstützung bei der Wiedergewinnung der Pfalz in
Tauschverhandlungen mit Württemberg, Baden und Hessen-Darmstadt zugesichert.
Auf dem Wiener Kongreß waren aber die beiden Großmächte Preußen und Rußland
gegen die Gebietsansprüche Bayerns in der Pfalz aufgetreten. Zar Alexander I.
war schließlich mit Luise Marie Auguste von Baden verheiratet, die Frau des
vorherigen Zaren Paul I. war Sophia Dorothea Augusta Luise von Württemberg,
genannt Maria Fjodorowna, eine Verwandte auch der Preußenkönige. Allerdings war
auch Max I. mit der Schwester der Zarin, Friederike Karoline Wilhelmine
verheiratet, doch war er seit der Maltesergeschichte in Russland nicht gerade
gerne gesehen. Die Rückgabe der rechtsrheinischen Pfalz wurde allerdings für
den Fall in Aussicht gestellt, daß die Zähringer Linie des Herzogtums Baden
erlöschen würde. Nach dem Aussterben dieser Linie trat aber in Baden die Linie
Hochberg, eine „morganatische Linie“, die Erbfolge an, die am 20. November 1818
im Kongreß von Aachen von den übrigen Mächten anerkannt wurde. Damit schwanden
Bayerns Aussichten auf den Wiedererwerb der rechtsrheinischen Stammlande.
Später wurden Bayerns Ansprüche für erloschen erklärt, da es eine angebotene
finanzielle Entschädigung abgelehnt hatte.
Der damalige König Max I. Joseph hatte sich mit dieser Lage
abgefunden und keine weiteren Vorstöße mehr in dieser Angelegenheit
unternommen, da er es für aussichtslos angesehen hatte. Ganz anders reagierte
jedoch Ludwig I., der es nie überwinden konnte, daß er schon als Kind seine
angestammte Heimat der Franzosen wegen hatte verlassen müssen. Er versuchte nun
ohne großes Aufsehen, die rheinpfälzische Frage auf diplomatischem Wege wieder
ins Gespräch zu bringen. Der Feldmarschall Wrede schien ihm dafür der richtige
Mittelsmann zu sein, denn dieser stand seit den Befreiungskriegen auch in
Rußland in hohem Ansehen.
Feldmarschall Wrede traf im Februar 1826
in Sankt Petersburg ein und übermittelte den Wunsch Bayerns an Rußland, die
Aachener Abkommen nicht zu ratifizieren. Der russische Zar ließ eine
grundsätzliche Bereitschaft erkennen, alles zu tun was in seiner Macht stehe,
machte aber keinerlei konkrete Zugeständnisse. Weitere Gespräche und
Verhandlungen, sowohl mit dem Zaren als auch mit dessen Kanzler Nesselrode, verliefen
ebenfalls ergebnislos. Immerhin waren die Zähringer mit ihm verwandt. Bei
seiner letzten Audienz am 1. April 1826 wurden ihm vom Zaren wertvolle
Geschenke gemacht –unter anderem der große Kronleuchter im Festsaal des Elliger
Schlosses - und der russische St. -
Andreas - Orden in Brillanten verliehen.
(Abschnitt nach Hasso Dormann,
Feldmarschall Fürst Wrede, München, 1982)
Diese Angelegenheit ärgerte Feldmarschall
Wrede auch persönlich, da sein Familiengut Langenzell südlich von Heidelberg
nunmehr in den Markgrafschaft Baden lagen. Noch im Oktober 1813 scheint er bis
zur Völkerschlacht bei Leipzig und vor der Schlacht von Hanau mit einem
militärischen Abstecher in seine Heimat geliebäugelt zu haben. Die Lage seiner
Heimatgüter und sein Kontakt mit dem
Badischen Adel bringen ihn seitdem immer wieder in Beziehung zu Spekulationen
über die Herkunft Kaspar Hausers und seinem Auftauchen in Nürnberg.